Samstag, 23. März 2013

"Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft" von Hans Küng

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert stecken die Weltpolitik und die Weltwirtschaft in einer tiefen Krise. Die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Hiobsbotschaften mehren sich. hans Küng unterzieht diese Entwicklungen einer radikalen Kritik.  
Er zeigt, wie notwendig Weltpolitik und Weltwirtschaft eine ethische Grundorientierung brauchen, die für alle verbindlich ist. Um diese Grundorientierung mit Blick auf eine friedlichere, gerechtere, humanere Welt geht es dem Theologen Hans Küng. Nicht um kluge Rezepte, sondern um konkrete Impulse: die Anwendung von »Projekt Weltethos« in Politik und Wirtschaft. 
Daraus ergeben sich die Themen dieses Buches: Gibt es einen Weg zwischen Realpolitik und Idealpolitik? Eine Weltwirtschaftspolitik zwischen Wohlfahrtsstaat und Kapitalismus pur? Welche Rolle spielen die Religionen in den gegenwärtigen Krisen und Konflikten? Wie soll ein Weltethos verwirklicht werden? Hans Küng liefert mit diesem Buch, was lange kein Denker gewagt hat: einen kühnen Zukunftsentwurf auf der Grundlage eines gemeinsamen Menschheitsethos. 

Montag, 11. März 2013

"Der Kampf um die Zweite Welt - Imperien und Einfluss in der neuen Weltordnung" von Parag Khanna

Parag Khanna hebt in seinem Buch die Bedeutung der Länder der sog. „Zweiten Welt“ hervor, die seiner Ansicht nach, insbesondere in den westlichen Ländern, noch immer nicht die Aufmerksamkeit genießen, die ihnen zukommt - ein Fehler, wie er meint.
Denn gerade die Länder der „Zweiten Welt“ wie bspw. Brasilien können in ihrer Funktion als „Zünglein an der Waage“ beim Wettlauf zwischen den USA, der EU und China um die Vorherrschaft in der Welt die Entwicklung in ihrem Sinne beeinflussen - diplomatisches Geschick vorausgesetzt, weshalb die >Imperien< gut beraten sind, um die Gunst der Länder der Zweiten Welt heftigst zu werben. 

In den weiteren Kapiteln gibt Khanna einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Weltregionen, wobei ich immer wieder von der Detail- und Ortskenntnis beeindruckt bin, die er seinen Besuchen in den jeweiligen Regionen verdankt. Weder verfällt er dabei im Plauderton noch langweilt er durch die Aneinanderreihung von Fakten. Man spürt deutlich, dass hier jemand seine Eindrücke niederschreibt, dem große Sachkenntnis und ein hohes persönliches Engagement zu eigen sind. 
Insofern kommt es nicht von ungefähr, dass sich während der Lektüre der eine oder andere Aha-Effekt einstellt, wie z.B. bei der Schilderung der Zukunft des sibirischen Russland, dem rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Chiles bis hin zu dem nach wie vor ambivalenten Verhältnis der arabischen Länder zum westlichen Lebensstil, wie er insbesondere am Beispiel Dubais plastisch vor Augen geführt wird. 

Die Qualität der Argumentation hält sich fast bis zum Schluss des Buches, wo es dann, für mich überraschend, zu deutlichen Einbußen kommt. So bestehen für ihn kaum Zweifel daran, dass China in Zukunft den asiatischen Raum dominieren wird, ohne dabei auf die immensen innenpolitischen Probleme in China mit der Detailliertheit einzugehen, die er zuvor bei wesentlich kleineren Ländern an den Tag legte. In dem Zusammenhang für mich völlig unverständlich ist, dass er Indien, der immerhin größten Demokratie der Welt und dem demnächst wohl auch bevölkerungsreichsten Land der Welt, kaum bis gar keine Beachtung schenkt. Da stimmen schlichtweg die Proportionen nicht.

Sofern man sich der genannten Schwächen bewusst ist, schließt man die Lektüre jedoch mit einigem Gewinn ab.

Dienstag, 5. März 2013

"Die Grenzen des Wachstums - Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit" von Dennis Meadows

Kaum ein Buch hat die Diskussion über die Zukunft der Menschheit so stark beeinflusst wie das 1972 erschienene Die Grenzen des Wachstums - Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit von Dennis Meadows

Den theoretischen Ausgangspunkt bildet die Methode der Systems Dynamics, die zu jener Zeit bereits am MIT eingesetzt wurde, um das Verhalten komplexer Systeme zu verstehen. Das Modell beruht dabei auf der Annahme des expontentiellen Wachstums.

An diesem Punkt stehen wir nach wie vor. 

Die aufgeworfenen Fragen arbeitet Meadows auf den nächsten 150 Seiten ab. 

Im dem Kapitel "Sich nicht generierende Rohstoffe" geht Meadows dann näher auf die natürlichen Grenzen des (exponentiellen) Wachstums ein, die auch durch den Einsatz modernster Technologie nur hinausgeschoben werden können, wie er am Beispiel der Nahrungsmittelproduktion verdeutlich, die durch die Faktoren Landfläche und Frischwasser begrenzt ist.

Das Wachstum läuft nach der Logik des Weltmodells auf ein Optimum zu, um danach abzufallen. Die Überlastung der Absorptionsfähigkeit der Umwelt für Schadstoffe, steil ansteigende Sterberaten, bei gleichzeitiger Verdopplung der Rohstoffmenge und Verbrauch der Rohstoffvorräte scheinen unausweichlich. Jedoch ist die Entwicklung nicht alternativlos.

Es fällt auf, dass Meadows bei allem Glauben an den Erfindungsreichtum der Menschen, diesen vorwiegend auf das Verhalten der Menschen bezieht und kaum auf technologische Innovationen.
Den Königsweg erkennt Meadows daher in einer freiwilligen Wachstumsbeschränkung oder anders ausgedrückt: ein Wachstum im Stadium des Gleichgewichts. 

Das klingt schon fast schon zu schön, um wahr zu sein ;-)

Bei aller Sympathie für diesen Ausblick, klingt durch die Zeilen ein naiver Glaube an die Planbarkeit gesellschaftlicher Prozesse bzw. Entwicklungen durch, der durch die Realität - bisher jedenfalls - immer wieder enttäuscht wurde. Das gleiche gilt für das Gleichgewicht - eine Annahme, die auch heute noch viele Ökonomen in ihren Modellen teilen.

Trotzdem liefert das Buch nach wie vor einige wichtige Anregungen.